Kapazitätsaufbau: Einblicke in vier Projekte des „The New New“-Fellowships

Letztes Jahr brachte das sechsmonatige „The New New“-Fellowship 24 Künstler:innen, Technologieexpert:innen, Vordenker:innen, Schriftsteller:innen und Designer:innen aus ganz Europa in zwölf Projekten zusammen, um Visionen für eine inklusive digitale Zukunft zu entwickeln. Die Bertelsmann Stiftung und das Superrr Lab haben die Zusammenarbeit – ohne weitere finanzielle Unterstützung – mit den vier ausgewählten Projekten Algorithms of Late Capitalism, Banlieue du Turfu, Beyond the Green und Chayn Italia fortgesetzt. Da sich diese Zusammenarbeit dem Ende zuneigt, sehen wir es als einen guten Zeitpunkt, um eine Bilanz der letzten fünf Monate zu ziehen.

Um Organisationen, die ähnliche Programme durchführen, zu helfen, freuen wir uns, unsere wichtigsten Erkenntnisse und Ergebnisse aus diesem Unterstützungsprogramm vorzustellen.

1. Erkenntnis: Weitermachen, vorbereiten und ermöglichen – konkrete Unterstützung ist auch nach dem Ende eines Stipendiums wirkungsvoll

Während des Unterstützungsprogramms konnten wir beobachten, wie die Projekte auch nach dem sechsmonatigen Finanzierungszeitraum konkret unterstützt werden konnten. Eine Organisation zu haben, an die man sich mit Rat und Tat wenden kann, ist ein Luxus, den viele kleine Projekte nicht haben. Aber welche Formen der Unterstützung waren besonders wirksam? Wir haben festgestellt, dass die Unterstützung des strukturellen Fundaments der Projekte einen großen Mehrwert darstellt. Wir halfen bei der Zeitplanung, der Strukturierung, der Recherche, dem Prozessmanagement und der Vernetzung – den Grundlagen eines Projekts also, denen die Projekte aufgrund dringender Deadlines oder anderer externer Anforderungen oft keine Priorität einräumen können. Ein weiterer Bereich, in dem wir sinnvolle Unterstützung anbieten konnten, war die Strategie. Das Unterstützungsprogramm hat gezeigt, dass es für die Projekte sehr wichtig ist, sich Zeit zu nehmen, um strategisch über die nächsten Schritte nach dem Fellowship nachzudenken.

2. Erkenntnis: Vorlagen können die individuelle Betreuung unterstützen

Eine längere individuelle und bedarfsgerechte Supervision war für die Projekte von enormem Nutzen. Ob dies erfolgreich ist, hängt natürlich von den organisatorischen Kapazitäten und der Anzahl der Teilnehmer:innen ab. Wir haben diesen Ansatz jedoch als sehr wertvoll empfunden, vor allem im Vergleich zu einem vollständig durchgeplanten Trainingsprogramm, das wenig Spielraum für Flexibilität lässt.

In vielen Punkten überschnitten sich die Bedürfnisse der Projekte. In vielen anderen Fällen waren sie heterogener und überschnitten sich nicht. Die Verwendung von Vorlagen auf digitalen Onlineplattformen für die gemeinsame Arbeit (z. B. digitale Whiteboards) waren nützlich und der Ansatz konnte bei Bedarf leicht vervielfältigt und mehrfach angewendet werden.

Die von uns erstellten Vorlagen, die von den Projekten als besonders hilfreich beurteilt wurden, drehten sich um die Spezifikation von Zielgruppen und Projektkonkretisierung: die Ausarbeitung von Kernbotschaften und Narrativen, die für die Aktivitäten der Projekte von zentraler Bedeutung sind, die Darstellung ihrer (potenziellen) Netzwerke und die Übersicht über Fördermöglichkeiten. Die gemeinsam genutzten Vorlagen ermöglichten ein paralleles Arbeiten: Die Projekte konnten die Vorlagen zu passender Zeit ausfüllen und wir konnten unsere Rechercheergebnisse direkt in die Vorlagen einfügen. Diese Arbeitsweise schuf mehr Raum für regelmäßige Treffen mit den Projekten, um Fragen oder Probleme zu erörtern und auf spezifische Bedürfnisse einzugehen – wie z. B. Hilfestellung bei der Kontaktaufnahme mit Förderorganisationen oder bei der Prüfung ihrer Website. Im Rahmen der Unterstützung, die wir anbieten konnten, standen die Öffentlichkeitsarbeit der Projekte und die Entwicklung von Narrativen stets an erster Stelle.

Erkenntnis 3: Ein Fellowship kann ein erster Schritt sein, um zivilgesellschaftliche Akteure und politische Entscheidungsträger:innen zusammenzubringen

Für viele junge Organisationen haben Verbindungen zu politischen Entscheidungs-träger:innen zunächst keine Priorität. Durch das Unterstützungsprogramm wurden einige Projekte motiviert, ihre Agenda um die Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungs-träger:innen zu ergänzen. Indem sie aufzeigten, wie ihre Initiativen sinnvoll mit der Politik verknüpft werden können, betonten sie den gegenseitigen Nutzen, der aus solchen Schritten entstehen kann. Ein solches Engagement kann zur Nachhaltigkeit der Pläne und künftigen Aktivitäten der Projekte beitragen.

Mit Blick auf die Zukunft überlegen wir, wie wir Begegnungen zwischen politischen Entscheidungsträger:innen und zivilgesellschaftlichen Akteuren auf Augenhöhe erleichtern können und wie diese Ansätze aussehen können.


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